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DAS GEHEIMNIS DES VERLORENEN
MONET

MONET, SEEROSEN
(1914-1926)

Zerstört 1958 bei einem Brand im MoMA

SEEROSEN“ – DIE LETZTEN WERKE VON CLAUDE MONE

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fällt der französische Maler und Meister des Impressionismus, Claude Monet in eine tiefe Depression, aufgrund seiner durch Grauen Star schwindenden Sehkraft und den Tod seiner zweiten Frauund großen Liebe Alice, die ihm auch in schweren Momenten immer zur Seite stand. In einem Brief an seine Stieftöchter wird er schreiben: „Der Maler in mir ist tot“.

Nur durch das Einschreiten seines engen Freundes Georges Clemenceau kann er überzeugt werden, wieder zu malen: 1914, am Tag der Präsidentschaftswahl in Frankreich, verlässt der kandidierende Clemenceau Paris, um Monet in Giverny zu besuchen.Am Ende ihres Treffens ist Clemenceau der neue Ministerpräsident Frankreichs und Monet hat den Grundstein für seine schnell wachsende Serie der Seerosenbilder gelegt.

Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ
Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ
Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ

Die Serie spiegelt Monets brennendes Verlangen wider, Wasser und die Art wie es mit Licht und Farben spielt darzustellen. Monet malt die gesamte Serie im Garten seiner Villa in Giverny, von ihm selbst entworfen, mit Blumen und exotischen Pflanzen dekoriert und in dessen Mitte sich ein Teich befindet, den er durch das Umleiten eines Seine-Zuflusses geschaffen hat.

Monet malt unbeirrbar auch als er in seinem Garten die Schüsse von den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs hören kann, in dem auch sein Sohn Michel dient. In einem Brief an seine Stieftochter schreibt er: „Ich für meinen Teil werde trotz allem in Giverny bleiben und wenn mich diese Barbaren töten wollen, werde ich umgeben von meinen Leinwänden sterben“.

Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ
Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ
Der künstliche Teich, den Monet in seinem Garten in Giverny anlegen ließ
Cécile Girardeau, Kuratorin in Musée de l’Orangerie, Paris
Der Brand von 1958 im MoMA
Ein Saal des MoMAs nach dem Brand
Auswertung des Schadens, den das Feuer an den “Seerosen“ angerichtet hat

EIN MEISTERWERK, ZERSTÖRT IN EINEM MOMENT DER UNACHTSAMKEIT

15. April 1958. Im zweiten Stock des Museum of Modern Art auf der 53. Straße in New York sind Handwerker damit beschäftigt, im Zuge seit Monaten andauernder Modernisierungsarbeiten eine Klimaanlage in einem der Ausstellungssäle zu installieren. Aus Sicherheitsgründen wurden die meisten der hier ausgestellten Kunstwerke in andere Räume gebracht, nur die größten Gemälde sind an ihrem Platz geblieben, darunter zwei Seerosenbilder von Monet.Das Museum hatte sie erst wenige Jahre zuvor erworben und in kürzester Zeit waren sie zu einer Quelle der Inspiration für die Protagonisten des amerikanischen abstrakten Expressionismus’ geworden.

In der Mittagspause zündet sich einer der Handwerker eine Zigarette an und als ein bisschen heiße Glut auf die auf dem Boden verstreute Sägespäne fällt, verwandelt sich der Raum in kürzester Zeit in ein Flammenmeer. Der Brand zerstört die Fassade des Gebäudes und stürzt den Straßenverkehr in der Umgebung für mehr als vier Stunden ins Chaos.Als es den Feuerwehrmännern endlich gelingt das Feuer zu löschen, ist die Bilanz tragisch: Ein Handwerker hat in den Flammen sein Leben verloren, weitere Menschen wurden verletzt und acht Gemälde schwer beschädigt. Unter den ‚Opfern’ befinden sich auch die beiden Seerosenbilder von Claude Monet: das größere ist unwiederbringlich zerstört und das kleinere Gemälde, “Seerosen“ (1914-26), ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Der Brand von 1958 im MoMA
Ein Saal des MoMAs nach dem Brand
Auswertung des Schadens, den das Feuer an den “Seerosen“ angerichtet hat
Carlos Bayod, Leiter der 3D-Abteilung und Direktor Adam Lowe, Factum Arte
Fotogrammetrie: eine Technik, bei der ohne direkten Kontakt mit über 80% Übereinstimmung die “Seerosen“ aus einer Distanz von circa 50 cm aufgenommen werden
Aufzeichnung der zerstörten “Seerosen“ (1914-26) mit Factum Arte Lucida 3D Scanner
Fotogrammetrie: eine Technik, bei der ohne direkten Kontakt mit über 80% Übereinstimmung die “Seerosen“ aus einer Distanz von circa 50 cm aufgenommen werden

DIE AUFERSTEHUNG DER “SEEROSEN

Für die Rematerialisierung von “Seerosen“ (1914-26) hatte das Team von Factum Arte nur eine Schwarzweißfotografie des Kunstwerks aus dem Archiv des MoMa zur Verfügung. Bei ihrer Recherche haben die Experten außerdem herausgefunden, dass die Überreste des Originals konserviert wurden und in der New York University aufbewahrt werden, wo die Experten das Gemälde schließlich untersuchen konnten.

In der ersten Phase der Rematerialisierung hat Factum Arte die Informationen über Farbe und Oberfläche der Überreste des Gemäldes mittels Photogrammetrie erfasst, einer Technik bei der extrem hochauflösende Bilder aus minimaler Entfernung aufgenommen werden. Die erhaltenen Aufnahmen wurden anschließend mit einer Software – nämlich RealityCapture – ausgewertet und als 3D-Datei abgespeichert. Unterstützend zur Photogrammetrie wurde die Oberfläche des Gemäldes zusätzlich mit einem Lucida Scanner abgemessen, der einen Laserstrahl auf die Oberfläche projiziert, die Oberflächenstruktur aufzeichnet und in ein 3D-Modell konvertiert.

Fotogrammetrie: eine Technik, bei der ohne direkten Kontakt mit über 80% Übereinstimmung die “Seerosen“ aus einer Distanz von circa 50 cm aufgenommen werden
Aufzeichnung der zerstörten “Seerosen“ (1914-26) mit Factum Arte Lucida 3D Scanner
Fotogrammetrie: eine Technik, bei der ohne direkten Kontakt mit über 80% Übereinstimmung die “Seerosen“ aus einer Distanz von circa 50 cm aufgenommen werden
Die Bildhauerei-Abteinung vollendet den in Gips gegossenen Abdruck der Oberfläche des beschädigten Gemäldes
Durch Absaugen des Sauerstoffs wird eine Leinwand (hier von hinten zu sehen) perfekt auf den Gipsabdruck des Gemäldes aufgetragen. So wird es möglich, jede einzige Erhebung exakt auf die Leinwand zu übertragen
Die Rematerialisierung der Oberfläche des Gemäldes in Gips auf Leinwand, bevor die Farbe aufgedruckt wurde

Die Daten, die durch die verschiedenen Messungen gesammelt wurden, ermöglichen die digitale Rekonstruktion des Kunstwerks. Beispielsweise konnte so die Farbe aus den intakten Teilen des Gemäldes auf die äußeren Ränder angewendet werden, wo die Farbe etwas verblasst war. Für die stärker zerstörten Bereiche wurde das Schwarzweißfoto als Referenz verwendet, um die Form der Pinselstriche des Originals zu reproduzieren. Um sicherzugehen, dass die erkannten Farben nicht durch die Flammen verfälscht wurden, hat Factum Arte sie mit denen eines anderen Seerosenbildes, das im gleichen Zeitraum entstanden ist, abgeglichen und angepasst.

Die Bildhauerei-Abteinung vollendet den in Gips gegossenen Abdruck der Oberfläche des beschädigten Gemäldes
Durch Absaugen des Sauerstoffs wird eine Leinwand (hier von hinten zu sehen) perfekt auf den Gipsabdruck des Gemäldes aufgetragen. So wird es möglich, jede einzige Erhebung exakt auf die Leinwand zu übertragen
Die Rematerialisierung der Oberfläche des Gemäldes in Gips auf Leinwand, bevor die Farbe aufgedruckt wurde
Pedro de Miró, Leiter der 3D-Abteilung und Direktor Adam Lowe, Factum Arte
Farbdruckproben
Farbdruckproben
Proben mit Lack, durchgeführt von Adam Lowe, Direktor von Factum Arte

Das 3D-Modell der beschädigten Leinwand, das mit den Daten der Photogrammetrie erstellt wurde, wurde in eine Art „Landkarte“ der Oberflächenstruktur in Schwarzweiß umgewandelt und anschließend mit einem 3D-Drucker gedruckt. Aus dem Ergebnis wurde ein Silikonplastik erstellt, die in Gips gegossen wurde und somit die Oberflächenstruktur der beschädigten Leinwand zum Leben erweckt hat. Die Bildhauereiabteilung von Factum Arte hat die Struktur anschließend von Hand bearbeitet, Unebenheiten abgeglichen und die Lücken, die das Feuer hinterlassen hatte, gefüllt. Nachdem ein weiterer Guss der Oberflächenstruktur mithilfe eines Silikonabdrucks in Gips gegossen wurde, konnten die Experten diesen anschließend mit einem Vakuumverfahren auf der Leinwand anbringen. Dadurch konnte die Struktur exakt auf die Leinwand übertragen werden. Als nächstes wurden die Farben mit einem von Factum Arte personalisierten Drucker mit extremer Präzision direkt auf die präparierte Leinwand aufgetragen. Zum Abschluss wurde noch eine Schicht transparenter Lack aufgetragen, der dem Gemälde den für Monet typischen, leicht matten Effekt verleiht.

Farbdruckproben
Farbdruckproben
Proben mit Lack, durchgeführt von Adam Lowe, Direktor von Factum Arte

1. Schwarz-weiß-Foto der “Seerosen“ nach dem Brand im MoMA

2. Erste Phase der digitalen Rekonstruktion: Orthofoto, aufgenommen mit einer reality capture software

3. Zweite Phase der digitalen Rematerialisierung: Wiederfinden der Farben und Entfernen von Schäden

4. Dritte Phase der digitalen Rematerialisierung: Entfernen des schützenden Klebebandes: Datei ist bereit für den Druck und Farbkorrektionen

5. Rematerialisierung der Oberfläche des Gemäldes in Gips auf Leinwand, vor dem Farbdruck

6. Finaler Druck des Gemäldes

Ann Dumas, Kuratorin an der Royal Academy of Arts (London) und Ross-King-Expertin

DIE SEEROSEN
REMATERIALISIERT

Digitale Rekonstruktion von Claude Monets “Seerosen“ (1914-26)
2017 Pigment und Gips auf Leinwand
Rematerialisierung von Factum Arte